Einleitung :
Was sind die Eufemiavisor?

Eufemiavisor, oder mit bestimmtem Artikel Eufemiavisorna, bedeutet übersetzt die Weisen oder Lieder der Eufemia. Eufemia war eine Tochter von Günther von Arnstein, des Graven von Ruppin (gest. 1284) und Enkelin von Fürst Vitslav auf Rügen. Sie wurde 1299 mit dem norwegischen Herzog Haakon Magnusson verheiratet, der im selben Jahr König von Norwegen wurde. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1312 war sie demnach Königin von Norwegen. 1301 gebar sie ihre Tochter Ingebjorg, die schon im folgenden Jahr mit dem schwedischen Herzog Erik Magnusson verlobt wurde. Dieser aber löste die Verbindung 1307 und die Hochzeit wurde schließlich erst kurz vor dem Tod der Königin 1312 durchgeführt.
Auf Eufemias Geheiß wurden drei Gedichte aus verschiedenen Quellen ins Altschwedische übersetzt, so steht es jedenfalls am Ende jedes der drei Texte. Aufgrund von Datierungsproblemen und Abweichungen der Übersetzungen zu ihren Originalen und offensichtlichen Übersetzungs- und Kopierfehlern seitens der Übersetzer wurde Eufemias Anteil an diesen Gedichten aber mehrmals angezweifelt. Zu dieser Frage später mehr und auch zu dem Problem, ob es sich um einen einzelnen Übersetzer - vielleicht sollte man schreiben "Übertrager" - oder mehrere handelte.
Die drei Gedichte sind folgende:

Hertig Fredrik av Normandie (klick für eine Inhaltsangabe)

Ivan Lejonriddaren

Flores och Blanceflur

Während Fredrik auf ein deutsches Reimgedicht vom Herzog Friedrich zurückgeht, so haben die beiden anderen Gedichte altfranzösische Vorlagen. Einmal das bekannte Gedicht um Yvain, chevalier de leon von Chrestien de Troyes und zum anderen das altfranzösische Gedicht von Floire et Blanceflor.
Da mich im Rahmen meiner Magisterarbeit hauptsächlich der Hertig Fredrik interessiert, werde ich die beiden anderen Gedichte gebührend vernachlässigen und nur zur Veranschaulichung und zur Gegenüberstellung bei einigen Streitfragen heranziehen. Besonders reizvoll am Fredrik ist nämlich, dass sein postuliertes deutsches Original verlorengegangen ist und wir somit versuchen müssen, über die Übersetzung auf das Original zu blicken.